Die Untersuchung auf flüchtige organische Schadstoffe und Lösungsmittel in der Raumluft empfiehlt sich häufig dann, wenn bereits eine leichte geruchliche Belastung wahrzunehmen ist. Hierbei könnte ein süßlicher, aromatischer Geruch bzw. der Geruch nach Verbranntem oder Chemie, ein Hinweis sein auf eine gesundheitsgefährdende Belastung der Innenraumluft.
Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit und die Reizung von Atemwegen und Schleimhäuten sind nur einige Symptome, die durch flüchtige Wohnraumgifte verursacht werden können.
Das Raumluft L-Testset ermöglicht somit eine Beurteilung der Raumluftqualität hinsichtlich der sogenannten VVOC (leichtflüchtige organische Verbindungen wie Aceton und Methylenchlorid) und der VOC (flüchtige organische Verbindungen, z. B. Ester, Aromate, Terpene und Alkane) und ist als Ergänzung zum Raumluft S-Testset zu sehen. Beide Testsets zusammen ermöglichen einen kompletten Überblick über ihre Raumluftbelastung an organischen Schadstoffen!
Was wird getestet?
Raumluft L1: Untersuchung und Klassifizierung von über 40 organischen Lösungsmitteln und leichtflüchtigen Raumluftgiften
Mit unserem Test wird die durchschnittliche Belastung an inhalierbaren flüchtigen Luftschadstoffen, über einen Zeitraum von 14 Tagen, ermittelt. Hierbei wird ein Passivsammler zentral in dem Raum, der untersucht werden soll, in ca. 1,50 m Höhe aufgehängt (Ermittlung der Raumluftbelastung).
Mittels einer mitgelieferten Halterung kann er aber auch direkt von einer Person in Brusthöhe getragen werden (Ermittlung der personenspezifischen Belastung).
Der Sammler ist mit Aktivkohle gefüllt, die aufgrund ihrer hohen spezifischen Oberfläche Schadstoffe anreichert. Im Labor werden die angereicherten Substanzen analysiert. Dieses für Immissionsmessungen und im Bereich der Innenraumluftanalytik anerkannte Verfahren bringt fundierte Kenntnisse, zur Innenraumluftbelastung durch leichtflüchtige und flüchtige organische Schadstoffe, mit.
Folgende Verbindungen werden bei Raumluft L1 quantifiziert:
* aliphatische Kohlenwasserstoffe: n-Hexan, 2,4-Dimethylpentan, 2,2,4-Trimethylpentan, n-Heptan, n-Oktan, n-Nonan, n-Dekan, n-Undekan, n-Dodekan
* aromatische Kohlenwasserstoffe: Benzol, Toluol, Ethylbenzol, m,p-Xylol, o-Xylol, Styrol, m-Ethyltoluol, p-Ethyltoluol, o-Ethyltoluol, 1,3,5-Trimethylbenzol, 1,2,3-Trimethylbenzol, 1,2,4-Trimethylbenzol, 1,4-Dichlorbenzol, 1,2,4,5-Tetramethylbenzol
* chlorierte Kohlenwasserstoffe: Methylenchlorid, Chlorform, Tetrachlorkohlenstoff, 1,1,1-Trichlorethan, 1,2-Dichlorpropan, Trichlorethen, Dichlorbrommethan, Dibromchlormethan, Perchlorethylen (PER)
* Terpene: a-Pinen, ß-Pinen, Limonen
* Alkohole: Ethanol, 2-Propanol
* Ketone: Aceton, 2-Butanon (MEK), 4-Methylpentan-2-on (MIBK)
* Ester: Ethylacetat
Die Beurteilung der erhaltenen Schadstoffdaten erfolgt in Kooperation mit erfahrenen Umweltmedizinern und Toxikologen aus gesundheitlicher Sicht basierend auch auf allgemein vorgegebene und anerkannte Grenz- und Orientierungswerte (siehe auch weitere Informationen auf dieser Seite). Im Bedarfsfall werden Hinweise zur Sanierung gegeben.
Charakteristische organische Lösungsmittel/Raumluftgifte und ihre typischen Emissionsquellen
| Substanz/-klasse | Typische Quellen in Innenräumen |
| Kettenförmige (aliphatische) Kohlenwasserstoffe (C5-C12) | Lösemittel, Farben, Beizen |
| Aromatische Kohlenwasserstoffe (z. B. Benzol, Toluol, Xylole, Ethylbenzol, Ethyltoluole, Trimethylbenzole, Styrol) | Offene Feuerstellen, Tankstellen, Tabakrauch, Kfz-Abgase, Otto-Kraftstoffe, Garagen |
| Terpenoide Verbindungen(z. B. a-Pinen, b-Pinen, Limonen) | Terpentinöl, Anstrichmittel, Spanplatten, Holzschutzmittel, Badezusätze |
| Ester (Methylacetat, Ethylacetat, Butylacetat, Ethylacrylat etc.) | Polystyrol, Boden- und Möbelpflege, Acrylkleber, Anstrichmittel |
| Aldehyde** (z. B. Formaldehyd, Acetaldehyd) | Spanplatten, Isolierschäume, Tapeten, Anstrich, Parkettböden, Kleber |
| Ketone (z. B. Aceton, 2-Butanon, Cyclohexanon, Methylisobutylketon) | Kosmetika, Klebstoffe |
| Alkohole** (Ethanol, Propanol, Amylalkohol, Glykole etc.) | Fleckenentferner, Schuhpflegemittel, Teppich- und Polsterreiniger, Fenstereiniger, Kosmetika |
| Halogenierte Kohlenwasserstoffe (Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff, Trichlorethen (TRI), Tetrachlorethen (PER)) | Treibmittel, Korrekturflüssigkeit, Abbeizmittel, Waschspray, chemische Reinigungen |
* untersucht werden bei der Raumluft Basisuntersuchung L1 u.a.: Kettenförmige Kohlenwasserstoffe (C6-C12), aromatische Kohlenwasserstoffe (z.B. Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Ethyltoluol, Tri- und Tetramethylbenzole, Styrol), terpenoide Verbindungen (z.B. Pinen, Limonen), Ester (Ethyl- und Butylacetat), Ketone (Aceton, 2-Butanon), chlorierte KW (z.B. Trichlorethylen, Perchlorethylen, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff)
** nicht gesammelt werden z.B. Alkohole, Aldehyde (Formaldehyd, Acetaldehyd), Ozon, CO, Vinylchlorid, Amine, Lindan (siehe andere Raumlufttests des Apotheken-Labors)
Mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, z. B.
Unspezifische Symptomatik wie z. B.
* Kopfschmerzen
* Chronische Müdigkeit
* Antriebslosigkeit
* Atemwegsreizungen und -erkrankungen
* Reizungen der Schleimhaut und der Haut
* Allergien
* Vergesslichkeit
* unklare Angstzustände
* Konzentrationsstörungen
Ggfs. auch CMR-Stoffe
* carcinogen - krebserregend
* mutagen - erbgutverändernd
* reproduktionstoxisch - fruchtschädigend
Raumluft L2: GC/MS-Schadstoffscreening (Zusatzuntersuchung)
Mittels einer Substanzdatenbank (NIST), die über 100000 Substanzen erfasst, werden die 10 größten organischen Hauptinhaltsstoffe der Raumluftprobe nach Sammlung mittels eines Passivsammlers (siehe Test Raumluft L1) identifiziert. Dieses wird ermöglicht über das Messprinzip der Gaschromatographie, die gekoppelt ist mit einem massenspektrometrischen Detektor (GC/MS). Das Verfahren des Schadstoffscreenings ist eine sehr sinnvolle Ergänzung der Raumluft L1 Untersuchung. Es ermöglicht einen Überblick über die flüchtigen organischen Hauptinhaltsstoffe ihrer Innenraumluft und gibt somit wichtige zusätzliche Informationen über die Qualität der Raumluft. Die Raumluft L2 Untersuchung kann als Zusatzpaket zur Raumluft L1 Untersuchung bestellt werden.
Weitere Informationen zum Thema:
Richtwerte für Innenraumluftschadstoffe und Bewertung der Ergebnisse
Für Innenraumschadstoffe gibt es bislang mit wenigen Ausnahmen keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Während für Arbeitsplätze, an denen mit Gefahrstoffen umgegangen wird, Grenz- und Richtwerte nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) gelten, trifft dieses für Innenräume (u.a. Lebens- und Arbeitsräume in privaten und öffentlichen Gebäuden, Kraftfahrzeuge, öffentliche Verkehrsmittel) nicht zu. Eine Übernahme ist nicht ohne weiteres möglich. Die unterschiedlichen Bedingungen in Innenräumen wie z.B. die Dauerexposition, die Existenz von Risikogruppen (z.B. Kinder und Kranke) und die undefinierte Gesamtexposition schließt eine direkte Übernahme der so genannten maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK-Werte) aus.
Die aktuell existierenden Bewertungsansätze gliedern sich in toxikologisch und statistisch abgeleitete Konzepte auf. Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile. Unsere Bewertung der gemessenen Gefahrstoffkonzentrationen erfolgen nach aktuellem, uns zur Verfügung stehendem Datenmaterial unter Berücksichtigung beider Konzepte.
Richtwerte für Schadstoffe in Innenräumen erarbeitet von der Ad-hoc AG der Innenraumluft-Kommission des UBA und der AG der obersten Gesundheitsbehörden der Länder (AOLG) (Extrakt, Stand Juni 2006)
| Schadstoff |
RW Ia)*a [mg/m3] |
RW IIb)*b [mg/m3] |
| Toluol | 0,3 | 3 |
| Dichlormethan | 0,2 | 2 (24h) |
| Pentachlorphenol | 0,0001 | 0,001 |
| Styrol | 0,03 | 0,3 |
|
Bicyclische Terpene (Leitsubstanz a-Pinen) |
0,2 | 2 |
*a) RW I ist die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bei der im Rahmen einer Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind
*b) RW II ist ein wirkungsbezogener, begründeter Wert, der sich auf die gegenwärtigen toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisse zur Wirkungsschwelle eines Stoffes unter Einführung von Unsicherheitsfaktoren stützt
Grundlegende und vertiefende Literatur:
* Broschüre "Gesünder Wohnen - Aber Wie?" u.a. Umweltbundesamt, Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesinstitut für Risikobewertung, März 2005
* Bewertungsschema für VOC/SVOC-Emissionen aus Bauprodukten, Ausschuss für die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten (AgBB)
* Gesundheits- und Umweltkriterien bei der Umsetzung der EG-Bauprodukten-Richtlinie (BPR), UBA Forschungsbericht 20062311, Mai 2005
* Verbesserung der Luftqualität in Innenräumen, Bericht Bundesministerium für Umwelt, März 2005
* AGÖF-Orientierungswerte für Inhaltsstoffe von Raumluft und Hausstaub, Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V.
Anbieter informativer Internetseiten zum Thema Innenraumluftqualität - Schadstoffe - Gesundheit
* Weltgesundheitsorganisation (WHO), Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit, Regionalbüro Europa
* Umweltbundesamt, Innenraumhygiene, Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK)
* Bundesministerium für Umwelt (BMU),
* Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG)
* Ausschuss für die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten (AgBB)
* Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. (AGÖF)